Presseberichte

09.03.2007

250 Festmeter Holz auf dem Weg nach Indien

Derzeit laufen die Waldarbeiten im Elberndorftal auf Hochtouren / Zehn Überseecontainer wurden gestern losgeschickt

vg Erndtebrück. Der Harvester bahnt sich am Zinser Rücken seinen Weg durch das Kyrill-geschädigte Gebiet. Die Maschine nimmt tonnenschwere abgeknickte Stämme auf, ergreift sie mit einem mächtigen Kranarm, als wären es Mikado-Stäbe. Problemlos nimmt der so genannte Holzvollernter die nächste Steigungund gräbt sich durch den aufgewühlten Morast. Äste splittern, die hydraulisch angetriebene Kettensäge am Kranarm leistet hervorragende Arbeit. In Bruchteilen von Sekunden ist der nächste Stamm entastet. Späne rieseln wie feiner Staub zu Boden. Der Kran schwenkt herum, sucht sich das nächste Holz.

Äste splittern, Späne rieseln wie feiner Staub zu Boden: Der Harvester leistet mit seiner hydraulisch angetriebenenen Kettensäge ganze Arbeit.
Mit einem mächtigen Greifarm verlädt derLangholztransport-Lkw die Stämme.

Derzeitlaufen die Arbeiten im Revier Elberndorf auf Hochtouren. „Wir haben mit einem süddeutschen Holzhändler (Firma Hess GmbH Forstservice - Anm. der Internetredaktion) Kontakt aufgenommen“, erklärt Matthias Mennekes, Leiter des Reviers Elberndorf und bleibt mitten zwischen zwei frisch gesägten Baumstümpfen stehen. Dann blickt er in das Tal zu seinen Füßen, in denen der Harvester ununterbrochen arbeitet.
„Das Holz, was hier aufgearbeitet wird, wird noch vor Ort an Container-Lkw verladen“, erklärt Peter Lemke, Förster im Forstamt Hilchenbach, der gerade aus seinem Geländewagen gestiegen ist. „Die Lkw bringen das Holz dann weiter nach Bremerhaven.“ Von hier aus treten sie mit den Stämmen aus den heimischen Wäldern eine lange Reise an: nach Indien.
„Pro Woche werden hier 500 Festmeter aufgearbeitet“, sagt Peter Lemke. Kollege Matthias Mennekes schaut derweil durch das Objektiv seiner Digitalkamera, zoomt den Harvester näher heran. „Im Grunde ist die Maschine rund um die Uhr im Einsatz“, sagt er und drückt auf den Auslöser. Wieder knistert das Geäst. Wieder „schält“ sich der Stamm im Kranarm inwenigen Augenblicken.

Insgesamt zwei Harvester sind derzeit Tag und Nacht im Revier im Einsatz. „Ohne die wäre die Arbeit hier nicht zu machen“,sagt Matthias Mennekes. Darüber hinaus leisten viele Rücke-Maschinen ihren Dienst. Über so genannte Langholztransport-Lkw, mit einem Kran an Bord, kann das bearbeitete Holz wenige Meter vom Harvester entfernt direkt verladenwerden. „Es kommt uns natürlich entgegen, dass die Lkw jetzt nur kurze Wege fahren, wo sie doch sonst lange Fahrten bis zum nächsten Sägewerk auf sich nehmen müssen“, so Peter Lemke. „Sobald das Holz im Container ist, ist die Sache für uns als Forstamt auch schon abgewickelt. Den Rest übernimmt der Holzhändler aus Süddeutschland. Er hat auch den Kontakt nach Indien hergestellt.“ Das Holz sei derart aufgearbeitet, dass es direkt in Indien weiterverarbeitet werden könne: „Ich nehme an, dass es dort als Bauholz verwendet wird“, sagt Matthias Mennekes. Drei Teams mit etwa 15 Leuten arbeiten rund um die Uhr im Elberndorftal.

„Viele sind extra aus Süddeutschland hier herüber gekommen, erklärt der Revierleiter. „Und natürlich sind wir auch froh, dass wir unsere Forstamtsmitarbeiter haben, die hier hervorragende Arbeit leisten.“ Im Schichtdienst gehen die Teams zu Werke und bereiten die Stämme mit der Motorsäge vor – für die Harvester-Maschinen. Peter Lemke und Kollege Matthias Mennekes haben vorerst genug gesehen. Mit den Geländewagen geht die Fahrt vom Zinser Rücken ins Elberndorftal. Unterwegshält Matthias Mennekes den Wagen an, deutet aus der Windschutzscheibe auf die Schneisen, die der Sturm überallin die Natur geschlagen hat. „Das wird uns noch einige Zeit beschäftigen. Ich denke mal bis 2008 werden wir hier im Revier zu tun haben.“ Der Revierleiter tritt aufs Gas, schaut nach rechts: „Besonders schlimm ist es, dass es diese jungen Buchenbestände hier erwischt hat. Schließlich waren die erst 89 oder 90 Jahre alt.“

Die Fahrt geht weiter. Überall zeigt sich das gleiche Bild der Verwüstung, „auch diesen 140-jährigen Fichtenbestand hat es getroffen“, erklärt der Revierleiter. Man sei zurzeit auch dabei, den Rothaarsteig wieder frei zu rücken. „Bei uns im Revier gehen die Arbeiten diesbezüglich gut voran, aber ich weiß nicht, wie es momentan mit den privaten Waldbesitzern aussieht, durch deren Gebiete der Wanderweg führt.“

Peter Lemke und Matthias Mennekes sind im Elberndorftal angekommen. Hier werden sie gerade Zeuge einer Holzverladung. Gerade schwenkt der Kranarm eines langholztransport-Lkw mit zwei mächtigen Baumstämmen zur Seite und lädt das tonnenschwere Material auf den Überseecontainer. „Im ersten halben Jahr werden wir wohl etwa 5000 Festmeter für Indien aufarbeiten“, erklärt Peter Lemke. Für die zweite Jahreshälfte seien bereits Folge-Verträge abgeschlossen worden, die noch einmal 5000 Festmeter betreffen.

Revierleiter Matthias Mennekes wirft einen prüfenden Blick auf die bearbeiteten Stämme. Die Aufarbeitung der Kyrill-Schäden geht zügig voran.
Mehrere Tonnen Holz fast spielerisch in Bewegeung: Hier verlädt gerade ein Langholztransport- Lkw aufgearbeitete Stämme auf den Überseecontainer.

„Das ist aber insgesamt gesehen nur ein geringer Teil der Mengen, die Kyrill zerstört hat. 100 000 Festmeter Holz haben wir generell schon im Forstamtsgebiet Hilchenbach aufgearbeitet.“ Viele Stämme landen im Nasslager, andere werden zu Sägewerken in Süddeutschland abtransportiert. „Und wir haben natürlich auch noch unsere privaten Stammkunden“, so Matthias Mennekes. Die Aufarbeitung des Ganzen bereite im Grunde keinerlei Probleme, „der Engpass liegt aber auf der logistischen Seite“, so Peter Lemke. Es fehle einfach an genügend Kapazitäten, das Holz aus dem Wald zu transportieren. „Deshalb ist der Kontakt mit Indien im Grunde ein Segen für uns.“ Dem kann auch Matthias Mennekes nur zustimmen: „Wir sind über jeden Container froh, den wir hier aus dem Wald fahren können“, sagt er.

Seit Freitag sind die Arbeiten im Forstrevier Elberndorf angelaufen. Zehn Container mit insgesamt 250 Festmetern Holz befinden sich seit gestern auf dem Weg nach Indien. Und die Maschinen in den heimischen Wäldern ruhen nicht, im Gegenteil: „Wir werden uns ranhalten und hoffen, dass wir bis zum Käferflug eine große Menge Holz aus dem Wald geschafft haben“, sagt Matthias Mennekes. „Hoffen wir, dass uns das gelingt.“

Aus der Siegener Zeitung vom 10.03.2007

Zuletzt geändert am: 06.12.2008 um 23:57

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