Presseberichte

28.05.2012

Pressebericht im Main-Echo: "Großheubachs Wald steht immer noch"

Ärger um die Waldbewirtschaftung »Das ist al­les Un­fug hoch zehn, dum­mes Leut­ge­la­ber«, meint Bür­ger­meis­ter Gün­t­her Oet­tin­ger zu Un­muts­äu­ße­run­gen aus den Rei­hen der SPD-Frak­ti­on in der Ge­mein­de­rats­sit­zung Mit­te April zum The­ma Wald­be­wirt­schaf­tung. Er, Karl­heinz Hess und Ma­thias Geis­ler muss­ten sich da­mals von der SPD Kri­tik an­hö­ren: Bei der Bewirtschaftung des Waldes laufe wohl einiges schief, der auf zehn Jahre geschlossene Pachtvertrag mit der Firma Interforst versetze die Gemeinde in eine »bittere Lage«.

Waldbegehung in Großheubach 2012 - Foto: Eva M. Lüft

Der Rülesberg im Großheubacher Wald ist beispielhaft für die private Waldbewirtschaftung der Firma Hess aus Kirchzell. Auf dem Bild zeigt Mathias Geisler die im Frühjahr 2009 als vierjährige Pflänzchen gesetzten Traubeneichen, die jetzt schon 1,60 Meter groß sind. Hier und an anderen Stellen im Wald wollen die Forstexperten den Kiefernbestand auf etwa 18 Prozent reduzieren und den Anteil der Laubhölzer erhöhen. Ein Mischwald aus Eichen und Buchen ist das große Ziel. Foto: Eva M. Lüft

Rückblick: Seit Mai 2005 hat die Kirchzeller Firma Interforst von Karlheinz Hess die Forstbetreuung in Großheubach übernommen. Diese völlig neue Form der Waldbewirtschaftung galt damals wie heute als bundesweit einmaliges Modellprojekt.

Die Großheubacher mussten sich anfangs erst daran gewöhnen, was da im Forst passierte. Plötzlich sahen sich Spaziergänger mitten im Wald auf kahl geschlagenen Flächen; andere Stellen schienen mit »Baumabfällen« zugeschüttet und verwüstet brachzuliegen. So mancher verstand die »Waldpolitik« nicht mehr.

Über die Jahre hinweg schien sich das Blatt etwas gewendet zu haben. Dies ist sicher auch ein Verdienst von Mathias Geisler, Diplomingenieur Forst (FH) und zuständig für sämtliche Arbeiten der Firma Hess im Großheubacher Forst.
Bürgermeister Günther Oettinger sieht die Missstimmung im Gemeinderat eher gelassen. »Fakt ist, wir haben hier in Großheubach eine hervorragende Waldbewirtschaftung«, betont er auf Anfrage der Redaktion. »Die Mehrheit der Gemeinderäte ist bis auf ein paar Schreihälse mit der Arbeit des Unternehmens auch zufrieden«, bilanziert er.

»Wir von der SPD-Fraktion sind von Anfang an dagegen gewesen und haben das Thema Waldwirtschaft immer mal wieder angesprochen«, gibt Fraktionsvorsitzender Roman Kempf gegenüber unserer Zeitung zu verstehen. Es stelle sich die Frage, ob sich die Gemeinde mit der Verpachtung des Waldes an einen Privatmann einen Gefallen getan habe. Seiner Ansicht nach wäre es sinnvoll gewesen, wenn man in dem Vertrag auch eine Klausel untergebracht hätte, die die Gemeinde an steigenden Holzpreisen finanziell beteiligt.

Forstdirektor Walter Adamek sieht alles eher gelassen. Bei ihm habe sich noch niemand über die Bewirtschaftung des Großheubacher Walds beschwert. Auch er selbst habe bisher nichts Auffälliges festgestellt.

Außerdem sei ohnehin in diesem Jahr eine gesetzliche Zwischenrevision vorgesehen, die offenlegen werde, ob die innere Struktur stimme, wo mögliche Mängel seien, ob zu viel oder zu wenig getan worden sei. »Ich kann noch nichts zu all dem sagen und will das alles auch auf eine sachliche Ebene stellen«, betont er. Zwar hätten die Großheubacher ein einzigartiges Modellprojekt laufen, dennoch hätten sich inzwischen auch viele andere Kommunen im Kreis umorientiert. Neben Röllbach nennt er Mönchberg, Amorbach und Kirchzell, Stadtprozelten und Eichenbühl.

»Der Wald steht noch«, beginnt Karlheinz Hess seine Wald-Bilanz im Gespräch mit unserer Redaktion. »Der Großheubacher Wald war 2005, als ich ihn als Pächter zum Preis von 5500 Euro übernommen habe, von der Bonität her der schlechteste Forst im ganzen Landkreis«, erinnert sich Hess. Inzwischen stehe der Wald gut versorgt da, betont der 51-jährige Geschäftsführer der Unternehmen Hess Forst und Interforst in Kirchzell. Die Gemeinde habe nur noch eine Kontrollfunktion und müsse keine Kosten mehr tragen.

Die Großheubacher hätten sich für ein »Supermodell« entschieden. Finanziell betrachtet sei das für ihn nicht der große finanzielle Wurf. Trotzdem habe er vor sieben Jahren bewusst den Pachtweg eingeschlagen. »Es ging mir hauptsächlich darum, in den Sommermonaten meine Leute aus meinen anderen Betrieben weiter zu beschäftigen«, so Hess. Obendrein habe er das Ganze auch als eine Art Herausforderung gesehen.

Die ersten vier Jahre waren jedoch wegen des niedrigen Holzpreises sehr schwierig. Ebenso problematisch stellte sich das Herrichten vorhandener und das neue Anlegen nicht vorhandener Wege dar, um überhaupt an das Holz heranzukommen.

Investitionen von durchschnittlich 7000 Euro waren und sind nicht ungewöhnlich. In Zusammenarbeit mit der Firma Winkler aus Eichenbühl ist es gelungen, die Wege immer wieder für den jeweiligen Bedarf herzurichten. So wurden von 2005 bis 2010 insgesamt 66 Kilometer Forstwege instand gehalten und sieben Kilometer Maschinenwege gebaut.

Bis 2011 habe sein Unternehmen ein leichtes Minus erwirtschaftet, erklärt Karlheinz Hess. Erst im vergangenen Jahr sei kostendeckend gearbeitet worden. Das lag an dem steigenden Industrieholzpreis, der regelrecht explodiert ist, jetzt aber wieder in den Keller geht.

Dass es in dem Vertrag keine Klausel gibt, wonach die Gemeinde an einem Gewinn beteiligt ist, schreibt Hess der Neuartigkeit eines solchen Modells zu. Sollte der Vertrag neu konzipiert oder auch verlängert werden, wären zusätzliche Klauseln durchaus denkbar. Auch Mathias Geisler sieht in dem Pachtmodell für die Großheubacher nur Vorteile. Die Gemeinde habe damit geregelte Einnahmen, es gebe nur einen Ansprechpartner, und der Forst werde kostenlos bearbeitet.

Das Pachtmodell wird sich nach Einschätzung von Karlheinz Hess in anderen Kommunen vielleicht nicht durchsetzen, wohl aber das Dienstleistungsmodell. Derzeit seien viele noch in »Habachtstellung«, beobachteten, was wo und vor allem wie praktiziert werde. Aber es wird seiner Ansicht nach nicht mehr lange dauern, und die Stadt- und Gemeinderäte im gesamten Landkreis würden feststellen, dass sie auf diese Art richtig Geld sparen können.

(Eva M. Lüft)

Veröffentlicht im Main-Echo Aschaffenburg am  5. Mai 2012

Zuletzt geändert am: 03.06.2012 um 11:32

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