Presseberichte

28.10.2011

Neue Beförsterung für Mönchsbergs Spessartwälder

Hess schließt Dienstleistungsvertrag zur privaten Kommunalwaldbeförsterung ab

Bürgermeister Thomas Zöller vom Markt MönchbergNach der unterfränkischen Kommune Großheubach, hat nun auch die Spessartgemeinde Mönchberg einen Vertrag für die Rundum-Waldversorgung ihrer 1220 Hektar Forstflächen mit dem Forstdienstleister Hess in Kirchzell unterzeichnet.

Im Interview mit Engelbert Kötter erläutert der 1. Bürgermeister der Marktgemeinde, Thomas Zöller, Beweggründe und Perspektiven rund um die Entscheidung des Gemeinderates zugunsten der Teil-Privatisierung.

Herr Bürgermeister, bislang hat die Beförsterung Ihrer Kommunalwälder in Eigenregie stattgefunden bzw. durch staatliche Beförsterung? Warum jetzt das Outsourcing?

Bürgermeister Zöller: Da die Mönchberger und Schmachtenberger schön seit je her eine besondere Beziehung zu ihrem stattlicher Forst mit seinen 1220 Hektar haben, werden wir natürlich auch in der Zukunft bei der Waldbewirtschaftung ein gehörigen Wort mitreden und machen uns Entscheidungen „in und um“ unseren Wald nicht leicht.
Mit unserem früheren Forsttechniker Anton Ackermann und seiner 2 Mann Waldrotte hatten wir eine eigene Waldbewirtschaftung, welche durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (kurz AELF) in der Betriebsleitung fachlich unterstützt wurde. Als unser Forsttechniker am 31.8.2006 in die Ruhephase seiner Altersteilzeit ging, entschied der damalige Marktgemeinderat neben der Betriebsleitung nun auch die Beförsterung vom AELF durchführen zu lassen. Da in den letzten Jahren die Preise des AELF exorbitant stiegen, schauten wir uns nach Alternativen um.

Welche Bestände, welche forstliche Struktur, welche Böden und Klimate prägen Ihren Kommunalwald?

Bürgermeister Zöller: Die prozentuale Verteilung der Baumarten in unserem Forst liegt bei 43,7 % Buche, 11 % Eichen, 17% Fichte, 13,9% Kiefer, 6,7% Lärche und 8% Douglasie, also 55,6% Laubholz und 44,4 % Nadelholz. Für den anstehenden Klimawandel sind wir mit dieser Mischung gut aufgestellt, werden aber in Zukunft die Eiche noch etwas besser fördern, da sie nach Auskunft einiger Experten die klimatischen Veränderungen wohl am besten vertragen wird. Durch unsere guten Böden, lassen alle vorhandenen Baumarten (außer die Kiefer) sehr gute Zuwächse in den kommenden Jahren erwarten, derzeit liegen wir vom jährlichen Einschlag immer noch unter dem jährlichen Zuwachs, von daher kann unsere Waldbewirtschaftung durchaus als sehr nachhaltig angesehen werden. Der gesamte Forst ist für die Holz LKW sehr gut erschlossen, einige Querverbindung bräuchte es noch in der Zukunft, dies sollten wir alleine schon wegen einer hoffentlich nie eintretenden Waldbrandgefahr nach und nach verbessern.

Im Vergleich zur Gemeinde Großheubach und deren Waldverpachtung auf zehn Jahre, haben Sie sich in Mönchberg stattdessen für einen Dienstleistungsvertrag mit der Interforst GmbH entschieden. Was sind Ihre Beweggründe dazu?

Bürgermeister Zöller: Wie bereits erwähnt, haben wir Mönchberger einen besonderen Bezug zum Wald, er hat uns in schwierigen Situationen geholfen, z.B. als im Jahre 1749 unsere wunderschöne Barockkirche schuldenfrei gebaut wurde. Bei vielen weiteren Maßnahmen in der Vergangenheit half uns der Wald bei deren Finanzierungen und noch heute ist der Wald mit seinen gut 9000 Festmeter Holzeinschlag/Jahr, eine enorm wichtige Einnahmequelle und ein ebenso wichtiges Naherholungsgebiet, siehe die Baumhaushotels der Fa. Wipfelglück am Brunnweg. Wer so mit seinem Wald und dessen Bäume „verwurzelt“ ist, gibt diesen nicht komplett in fremde Hände, sondern möchte bei allen wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht. Weiterhin haben wir für die beiden Forstwirte Marcus Karl und Christopher Schirmer, welche bei unserer Marktgemeinde angestellt sind, natürlich auch eine soziale Verantwortung als Arbeitgeber.

Welche Inhalte regelt der Dienstleistungsvertrag und welche Rechte und Pflichten, Vor- oder Nachteile ergeben sich daraus für die jeweiligen Vertragsparteien? Welche Laufzeit ist vereinbart?

Bürgermeister Zöller: Der Dienstleistungsvertrag ist ähnlich dem früheren Vertrag mit dem AELF, hier sind zum Beispiel Dinge wie Holzverkauf (Polter am Weg oder Schlagabraum) für unsere Bürger/innen, ein Waldbegang pro Jahr mit interessierten Bürger/innen und dem Marktgemeinderat, die Zusammenarbeit mit der Forstbetriebsgemeinschaft, deren Vorsitzender auch Thomas Zöller heißt und vieles mehr geregelt. Es ist wichtig einen Vertrag zu haben, aber viel wichtiger ist mir, ihn möglichst selten zu gebrauchen. Besser ist, wir vertragen uns und sprechen uns regelmäßig ab. Genau das läuft schon hervorragend, mit Mathias Geisler hat uns Interforstchef Karlheinz Hess einen sehr guten Förster entsendet. Die Beziehung von Interforstchef und Rathauschef trägt aber auch schon andere Früchte, ab 2012 bildet Interforst einen Forstwirt aus, der bei der Mönchberger Waldarbeiterrotte eingesetzt wird und im abwechslungsreichen Mönchberger Forst die allerbesten Voraussetzungen vorfindet, um ein guter Forstwirt zu werden. Der Vertrag zwischen Interforst und dem Markt Mönchberg läuft ab dem 1. Juli 2011 für drei Jahre. So wie die Zusammenarbeit seit dem 1. Juli angelaufen ist, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass viele weitere Jahre der Zusammenarbeit folgen werden.

Welchen Informationsbedarf hatte vor einer Entscheidung darüber der Gemeinderat, welche Erwartungen und möglicherweise auch Bedenken?

Bürgermeister Zöller: Es wurde seitens des Forstausschusses (ja so etwas gibt es in Mönchberg) und des Marktgemeinderates einige Gespräche mit verschiedenen privaten Anbieter geführt. Es gab vereinzelt Bedenken, dass wir „unseren Wald aus unseren Händen“ geben. Weiter beschäftigte uns, dass der bei uns eingesetzte Förster des AELF in Mönchberg wohnt und wir ihn alle gut kennen, aber wir sind eben nicht nur für einfache Entscheidungen gewählt worden.

Wie reagiert die Bevölkerung auf die Neuerung – wogegen gib es Ressentiments, wohin gehend regt sich Zustimmung?

Mathias GeislerBürgermeister Zöller: Die Bevölkerung reagierte sehr gut, Mathias Geisler hat bereits an zwei Terminen der Mönchberger Ferienspielen, über 50 Kindern den Mönchberger Forst und die darin lebenden Tiere vorgestellt. Dies war schon eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit, spätestens seit dem Waldbegang am 8. Oktober mit über 50 interessierten Männer, aber auch Frauen, Jugendlichen und Kindern, haben die Mönchberger und Schmachtenberger den jungen Förster Mathias Geisler in ihr Herz geschlossen.

Warum haben Sie sich für die Interforst GmbH als Vertragspartner entschieden?

Bürgermeister Zöller: Bei der Fa. Interforst stimmte das Angebot, aber der entscheidende Punkt war wohl der, dass von Anfang an „ein gewisser Funke“ von Interforstchef Karlheinz Hess und seinem Förster Mathias Geisler auf den Marktgemeinderat und den Bürgermeister von Mönchberg übersprang.

Wie wird die Private Beförsterung von Kommunalwald derzeit generell auf breiter Bürgermeisterebene, von Kollegen untereinander diskutiert – als Option oder als ein No go?

Bürgermeister Zöller: Meiner Meinung nach warten viele Kommunen sehr gespannt darauf, ob die Fa. Interforst mit den „Schmachtenbergern“ und vor allem mit den „Mönchbergern“, die auch als „Gesetzbücher“ bekannt (und gefürchtet) sind, auskommen. Wenn das Engagement der Fa. Interforst im Mönchberger Forst auf „fruchtbaren Boden fällt“, werden viele Kommunen den gleichen Weg gehen. Hier braucht keine Gemeinde ein schlechtes Gewissen zu haben, denn der Ausstieg des AELF in den kommunalen Forsten, ist durch die bayerische Staatsregierung gewollt, anders kann ich mir die schon beschriebene exorbitante Preiserhöhung durch den Bayerischen Staat nicht vorstellen.

 

In Ihrer Gemeinde haben Sie bereits für mehrere Neuerungen gesorgt – welche Strategie verfolgen Sie damit?

Bürgermeister Zöller: Ob im positiven Sinne ein wenig verrückt zu sein eine Strategie ist, könnte auch der Interforstchef Karlheinz Hess erklären, da er ebenfalls an dieser „Krankheit“ leidet.
In unserer abgelegenen Lage, weit weg von der A3 und weit weg vom „selbst wachsenden Maintal“, müssen wir uns hier im Spessart etwas einfallen lassen, um Gäste in unseren Ort zu bringen und die Bürger/innen davon zu überzeugen, dass einige Kilometer mehr zur Arbeit auf sich zu nehmen, durch die in Mönchberg bestehende Infrastruktur (Kinderkrippe/-garten, Grundschule, Seniorenarbeit, Bücherei, Museum, Freibad, sehr gute Geschäftswelt und günstige Bauplätze etc.) ausgeglichen wird.

Als ich zum Beispiel von dem geplanten Baumhausprojekt der Fa. Wipfelglück in Amorbach hörte und es sich abzeichnete, dass diese wunderbaren Hotels im Naturpark Odenwald keinen geeigneten Standort finden, war mir klar, dass dieses Projekt nach Mönchberg muss. Ich konnte die die Fa. Wipfelglück davon überzeugen, sich Standorte in Mönchberg anzusehen und Herr Bachmann/Wipfelglück war schnell vom „Ersatzstandort“ Mönchberg begeistert. Nach langer Suche und vielen Verhandlungen wurde ein Platz außerhalb des Naturparks Spessart gefunden und nach langen Planungen konnten im Frühjahr 2011 die ersten vier Baumhaushotels gebaut werden. Im ersten Sommer haben bereits 900 Gäste dort übernachtet. In diesem Winter folgt ein weiteres rollstuhlgerechtes Baumhaushotel, welches zwischen zwei Wegen die vom Höhenniveau sehr unterschiedlich sind, gebaut wird. Die Fa. Wipfelglück hat diese Idee von mir aufgegriffen und ich bin überzeugt, dass diese Idee einen weiteren positiven Eindruck von Mönchberg aussendet.
Es gibt aber noch weitere Attraktion in Mönchberg, an denen ich völlig unschuldig bin, zum Beispiel musica culinaria im Alten Obstkeller.
Das diesjährige Motto wird sein:
Musikalisch reisen – vielfältig speisen
Hier geht es auf Entdeckungsreise durch die Jahrhunderte, über Kontinente, in winterlichen Landschaften. Mit unvergesslichen Konzerten voller Magie, Rhythmus und Frische sowie kulinarischen Köstlichkeiten aus der Hand Martina Maier`s von KochArte! (Quelle www.obstkeller.de und Quellen sollten von Politikern ja immer schön angegeben werden!)

Hoffen wir, dass uns in Mönchberg und Schmachtenberg die guten Ideen noch lange nicht ausgehen.

Vielen Dank, Herr Bürgermeister für das Gespräch und de gewährten Einblicke.
 

Zuletzt geändert am: 28.10.2011 um 20:27

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